Immobilienserie-11-Teil 2-Der Staat treibt die Kosten

Unser Expertentipp: Unerreichbar – Der Staat treibt die Kosten

Teil 2: Unerreichbar – Der Staat treibt die Kosten

Hohe Preise und immense Nebenkosten gefährden den Traum vom Eigenheim, immer neue Bauvorschriften, höhere Steuern und kommunale Abgaben verteuern den Einstieg enorm. Der Weg zur eigenen Immobilie ist steiniger denn je.

In der Stadt Münster hat eine Neubauwohnung 2007 noch schlanke 2.178 Euro pro Quadratmeter gekostet. In 2016 hat der Quadratmeter 4.295 Euro gekostet. Ein Anstieg von 2.117 Euro oder 97% – exklusive der stark gestiegenen Nebenerwerbskosten. Die aber haben es in sich. Mussten Käufer in Nordrhein-Westfalen vor zehn Jahren noch gut neun Prozent auf die Kaufsumme obendrauf legen, für Makler, Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuchamt, sind es heute bereits mehr als dreizehn Prozent – vor allem wegen gestiegener Steuern. Treiber ist hierbei die Erhöhung der Grunderwerbsteuer von 3,5 Prozent auf aktuell 6,5 Prozent. Wer in Münster für 600.000 Euro netto ein Haus erwirbt, der zahlt in Wirklichkeit fast 680.000 Euro.

Weniger Eigenkapital – mehr Risiko und höhere Kreditzinsen

Der große Gewinner des Immobilienmonopoly ist der Staat: Allein die Grunderwerbsteuer spülte 2016 rund 12,4 Milliarden Euro in die Kassen der 16 Bundesländer; 2015 waren es mit 11,2 Milliarden noch zehn Prozent weniger, 1996 gerade mal 3,3 Milliarden. Damals lag die Steuer bundesweit bei zwei Prozent. Das Problem: Viele Kaufinteressenten unterschätzen den Effekt einer teils mehr als verdreifachten Grunderwerbsteuer. Weil Immobilienkäufer die Grunderwerbsteuer in aller Regel vorfinanzieren müssen, zehrt eine Erhöhung, wie sie die meisten Bundesländer in den vergangenen Jahren durchgesetzt haben, das verbleibende Eigenkapital auf. Weniger Eigenkapital aber bedeutet für die Banken: mehr Risiko – und für die Kunden: höhere Kreditzinsen.

Hohe Kosten – ein Problem für viele Familien

Vor allem jüngere Familien ohne große Ersparnisse würden so vor Probleme gestellt. Hier ein Beispiel zum Effekt der Grunderwerbsteuer: Bei 275.000 Euro Kaufpreis, 50.000 Euro Eigenkapital und 1.000 Euro Monatsrate liegt die Restschuld der Familie nach 15 Jahren bei einer Grunderwerbsteuer in Höhe von 6,5 Prozent um gut 35 000 Euro höher als ohne Grunderwerbsteuer. Das sind 13 Prozent des Kaufpreises, doppelt so viel, wie der Grunderwerbsteuersatz von 6,5 Prozent vermuten lässt. Allein durch die Grunderwerbsteuer wird die Familie bei der Abzahlung rund dreieinhalb Jahre zurückgeworfen. Der Staat fördert nicht die Bildung von Eigentum, er verhindert sie.

Kirsten und Olaf Mustermann finden durch Zufall Ende 2017 zunächst die Lösung für ihre Wohnungsnöte. Ein bestehendes Einfamilienhaus, nur wenige Kilometer von ihrem bisherigen Wohnort entfernt. Der Haken: Mit Erwerbsnebenkosten und Renovierung wäre das junge Paar schnell bei fast einer halben Million Euro Gesamtpreis gelandet – für ein freistehendes Haus auf dem Land. Ohne nennenswertes Eigenkapital ist das für sie nicht zu stemmen. Den Traum vom neuen Heim müssen sie daher vorerst begraben.

Wohneigentum ist zum reinen Luxusgut avanciert: Die weiteren Gründe für diese Entwicklung erfahren Sie in den nächsten Expertentipps. Falls Sie zum Verkauf, zur Vermietung oder zur Finanzierung einer Immobilie haben, rufen uns einfach unverbindlich an unter Telefon (0251) 5005-580.

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Dr. Oliver Altenhövel

Dr. Oliver Altenhövel

Dr. Oliver Altenhövel
Dipl.-Kaufmann / Immobilienwirt (DIA)
Vereinigte Volksbank Münster eG
Tel. 0251 / 5005 5810