Unerreichbar – Die Banken verlangen mehr Sicherheit

Expertentipp: Unerreichbar – Banken verlangen mehr Sicherheit für Immobilienkredit

Teil 5: Unerreichbar – Die Banken verlangen mehr Sicherheit für den Immobilienkredit

Hohe Preise und immense Nebenkosten gefährden den Traum vom Eigenheim, immer neue Bauvorschriften, höhere Steuern und kommunale Abgaben verteuern den Einstieg enorm. Der Weg zur eigenen Immobilie ist steiniger denn je.

Wie in den ersten Teilen bereits berichtet führen gestiegene Kaufpreise und Nebenkosten dazu, dass die Finanzierung, so Kaufinteressenten sie überhaupt bekommen, erheblich stärker ins Monatsbudget schlägt als früher.

Neue Richtlinien mit verschärften Bedingungen für den Immobilienkredit

Eine im März 2016 eingeführte Wohnimmobilienkreditrichtlinie hat die Bedingungen verschärft, unter denen Banken Baukredite vergeben dürfen. Die Kreditinstitute dürfen sich nicht mehr darauf verlassen, dass sie, falls der Kunde seinen Kredit nicht mehr bedienen kann, die Immobilie verkaufen können. Stattdessen sollen sie sicherstellen, dass Kunden ihr Darlehen dauerhaft schultern können.

Diese nachvollziehbare Regelung erschwert aber die Kreditvergabe an bestimmte Kreditnehmergruppen wie junge Familien wegen eines temporär zu niedrigen Einkommens oder an Senioren wegen der begrenzten Lebenserwartung.

Die Folge: Reduzierung der Geldmittel für den Immobilienkredit

Die Folge: Banken vergaben Mitte 2016 weniger Geld als Wohnungsbaukredit an Privathaushalte als im Vorjahreszeitraum – obwohl angesichts der gestiegenen Preise im Immobilienboom eigentlich ein Anstieg zu erwarten gewesen wäre. Mittlerweile hat sich die Kreditvergabe wieder etwas normalisiert. Im Mai hatte der Bundesrat einer gesetzlichen Nachbesserung zugestimmt: Bei Neubauten oder Renovierungen von Immobilien dürfen die Banken jetzt doch wieder auch den Immobilienwert als Sicherheit bei der Entscheidung für oder gegen die Kreditvergabe einbeziehen. Beim Kauf von bestehenden Immobilien bleibt es jedoch bei den verschärften Regeln.

Beleihungswerte und Kaufpreise

Die von den Banken berechneten Immobilienwerte hätten zudem wenig mit der Realität zu tun. Aus rechtlichen Gründen bei der Beleihungswertermittlung liegen die Beleihungswerte der Banken deutlich unter den tatsächlichen Immobilienkaufpreisen am Markt. Kunden müssten daher deutlich mehr Eigenkapital mitbringen, um vorteilhafte Kreditzinsen zu erhalten. Die Konsequenz: Selbst Bauherren mit guten Einkommen, etwa Doppelverdiener mit bis zu 5.000 Euro netto im Monat, könnten nicht mehr das erträumte Niedrigenergiehaus bauen, weil die Bank ihnen ohne Eigenkapital keinen Kredit für 500.000 Euro gibt. Vor zehn Jahren habe es solche Fälle fast überhaupt nicht gegeben.

Die engeren Finanzierungsbedingungen treffen auch das Münsteraner Paar Muster. Die beiden haben kaum Ersparnisse. Der Finanzberater möchte ihnen maximal eine halbe Million Euro Kaufpreis zugestehen. Bis zu 1.775 Euro müssten sie dann monatlich schultern, bei ihren Gehältern wäre das machbar. Das Traumhaus soll allerdings 550.000 Euro kosten, hinzukommen Grunderwerbsteuer und Notarkosten. Unter dem Strich würden rund 620.000 Euro fällig. Der Finanzberater errechnet dafür eine monatliche Belastung von mindestens 2.200 Euro – und rät ab, zu wenig Puffer bleibe sonst für unvorhergesehene Investitionen oder Urlaube. Die Eheleute Muster entscheiden sich gegen den Traum vom Eigenheim – er ist erst mal verschoben.

Wohneigentum ist zum reinen Luxusgut avanciert: Die weiteren Gründe für diese Entwicklung erfahren Sie in den nächsten Expertentipps. Falls Sie zum Verkauf, zur Vermietung oder zur Finanzierung einer Immobilie haben, rufen uns einfach unverbindlich an unter Telefon (0251) 5005 – 580.

Dr. Oliver Altenhövel

Dr. Oliver Altenhövel

Dr. Oliver Altenhövel
Dipl.-Kaufmann / Immobilienwirt (DIA)
Vereinigte Volksbank Münster eG
Tel. 0251 / 5005 5810